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Es werden Posts vom September, 2020 angezeigt.

Wir erobern und erkunden das weitläufige Gelände

 Das erste gemeinsame Frühjahr und wärmere Temperaturen im März des nächsten Jahres haben mich mutiger gemacht und ich habe beschlossen, mit dem Pferd neue Reitstrecken zu erkunden. Also machen wir uns auf und reiten eine für mich absolut noch unbekannte Strecke.  Dazu müssen wir eine Straße überqueren und ich steige vorsichtshalber lieber ab, weil ich noch nicht so genau einschätzen kann, wie sicher Chili im Straßenverkehr ist, wenn ich auf seinem Rücken sitze. Er hat so eine bequeme Höhe, das mir das Auf-und Absteigen nicht schwer fällt. Auch das ist für mich ein sehr guter Grund, ein Quarterhorse zu reiten. Sie sind in jeder Situation handlich und überschaubar. Auch wenn es mal einen steileren Abhang runter geht, setzt er einen Fuss vor den anderen und versucht nicht, wie die richtig großen Pferde, möglicherweise in einem Satz da runter zu kommen, oder fängt gar das Rennen an.  Sie sind die geborenen Geländegänger in allen Lebenslagen. Chili kennt die Gegend, die wir j...

Erster Winter mit dem Pferd im Gelände

 Jeder Reiter weiß, wenn es kalt wird, sind die Pferde bewegungsfreudiger und auch durchaus schneller schreckhaft. Das wusste ich längst aus eigener Erfahrung. Hatte mich doch vor vielen Jahren unter anderem mein Pferd Abbay bei einem "gemütlichen"  und ruhigen Schrittausritt am Morgen des Heiligabend durch übermütiges Buckeln in einer Pfütze abgesetzt. Das war nur eines von vielen Erlebnissen mit ihm. Im Winter bin ich auch in der Reithallte oft genug im Sand gelandet, weil ihm wieder mal nach überschwenglichen Bewegungen zumute war. So sehr ich Chili schon schätzen gelernt hatte, war ich doch auf einiges gefasst und auch ziemlich verkrampft, als wir dann bei den ersten kalten Wintertagen zusammen loszogen.  Er war tatsächlich aufmerksamer und lauschte nach allen Geräuschen im Wald. Er wollte auch an manchen Dingen nicht gern vorbei gehen und machte schon mal einen kleinen Hopser zur Seite. Mich überkam wieder die alte Panik. Wenn ich mich nicht traute, mich mit ihm ause...

Von den Tieren lernen

 Kleines Zwischenspiel, was ich im Laufe der beiden Jahre verinnerlicht habe. Beobachte die Tiere und Pflanzen und Du erfährst mehr über das Leben, als in irgendeinem Buch steht. Trinke Wasser aus der Quelle, in der Pferde trinken.   Das Pferd wird niemals schlechtes Wasser trinken.    Lege dein Bett dort hin, wo die Katze schläft.    Iß die Frucht, die von einem Wurm berührt wurde.   Ernte den Pilz, auf dem die Insekten sitzen.   Pflanze den Baum dort, wo der Maulwurf gräbt.    Baue dein Haus dort, wo sich die Schlange windet, um sich zu wärmen.    Grabe einen Brunnen, wo sich die Vögel vor Hitze verstecken.    Gehe schlafen und wache gleichzeitig mit den Vögeln auf - du wirst alle Tage goldene Körner ernten.    Iss mehr Grün - du wirst starke Beine und ein widerstandsfähiges Herz haben, wie die Wesen des Waldes.    Schwimme oft und du wirst dich auf der Erde wie der Fisch im Wasser fühlen.  ...

Bestechungsversuche mit Leckerli

 Wenn eines klar war, dann das, Chili liebte das Fressen. Er bekam vom saftigen Weidegras, was ja Tag und Nacht zur Verfügung stand schnell einen kugelrunden Bauch und war dann auch recht behäbig unterwegs.  Kein Wunder, wenn ich mir den Bauch so vollgeschlagen hätte, wie er, hätte ich auch keine große Lust auf größere Ausritte. Daher wurde er öfter tagsüber stundenweise in den Offenstall geholt, um mal eine Fresspause zu machen. Nichts desto trotz wollte ich ja das Herz meiner neuen Liebe auch gewinnen und kaufte Mineralstoffleckerlis. Die waren gesund, es gab nur ein paar Stück als Belohnung und sie rundeten seine Ernährung in vernünftiger Form ab. Ab und zu mal ein paar Möhrchen, aber alles in ganz kleinen Portionen, weil er eben schnell zunahm im Sommer. Nach einigen Malen kam er dann tatsächlich zu mir, wenn ich ihn auf der Weide abholte. Das freute mich natürlich sehr. Doch mit Liebe hatte das nix zu tun, und er zeigte mir immer noch ziemlich deutlich, das er mich duldet...

Chili zeigt mir die Gegend

 Noch einmal verabredeten wir uns zu einem gemeinsamen Ausritt mit der Besitzerin und der Haflingerstute und danach ging das Abenteuer von Chili und mir richtig los. Wir beide waren ab nun allein unterwegs. Das war ja noch mal was anderes. Bisher lief Chili ja immer schön der Stuge nach und ich musste auch den Weg nicht allein finden. Das war dann ab sofort anders. Doch Chili blieb freundlich, unbeeindruckt von meiner Unsicherheit und absolvierte mit mir seine ihm sehr gut bekannte Ausreitrunde. Die ersten Male saß ich tatsächlich fast nur oben drauf, ohne große Einwirkung aufs Tempo, oder den Weg. Chili trug mich wie ein Fremdenführer durch den Wald, zeigte mir alles, schlug nach einigen Malen auch gern schon mal einen anderen Weg vor. Ich ließ ihn gehen und so lernte ich nach und nach mehr von der Gegend kennen. Wir trafen Wildschweine im Wald, zum Glück hörten wir sie nur grunzen und zanken, Chili spitzte zwar die Ohren, machte aber keine Anstalten davon beeindruckt zu sein....

Pferdemädchenhimmel

 Ich fuhr also mit klopfendem Herzen zum Haus von Chilis Besitzerin.  Eine sympathische junge Frau Mitte 30 begrüßte mich, im Schlepptau 2 übermütige Hunde. Chili stand im Offenstall am Haus, wo er extra wegen mir eine Weidepause einlegen musste. Wie ich schnell erfuhr, war fressen seine große Leidenschaft. Entsprechend war er auch ein bisschen pummelig, braunes Fell, schwarze Mähne und schwarzer Schweif. Nicht zu groß, so wie Quarterhorses nun mal sind. Kompakt und handlich. Er wird Western geritten, erfuhr ich und das stimmte mich schon mal ganz froh. Die Westernsättel sind immerhin die bequemsten und auch sichersten Sättel überhaupt. Um aus so einem Sattel runterzurutschen bei einem Hopser, ist fast  unmöglich. Ich habs dann aber nach knapp 1 1/2 Jahren doch noch geschafft. Doch dazu später. Also Pferd aus der Box holen, anbinden und putzen. Chili war mir gegenüber distanziert, beachtete mich quasi kaum. Ruhig und gelassen ließ er das Putzen über sich ergehen. Dann kam...

Die Erkenntnis

 Also kümmerte ich mich ab sofort ungefähr 1 1/2 Jahre um diese beiden tollen Pferde und das gegenseitige Vertrauen wuchs. Und der Wunsch, wieder auf dem Rücken eines Pferdes zu sitzen und durch die Natur zu streifen, ebenso. Damit hatte ich nicht gerechnet.  Doch dann, am ersten Weihnachtstag 2017 saß ich tatsächlich auf dem Rücken der Stute Louisa und strahlte vor Glück. Es waren nur ein paar Runden im Schritt in einer kleinen Reithalle, aber ich brannte lichterloh. Von da an träumte ich mit offenen Augen davon, wieder reiten zu dürfen.   Doch leider war es auf dieser Stute nicht möglich, wieder auszureiten, die Besitzerin wollte es nicht und so blieb ich noch ein gutes halbes Jahr in meinen Träumen verhaftet, die nicht erfüllbar schienen. Die beiden Pferde zogen im Sommer in einen feinen Aktivstall um, wo sie wunderbare Möglichkeiten hatten, sich soviel zu bewegen, wie sie wollten. Ich war eigentlich überflüssig geworden. Als ich im August auf dem 2. MMO Mustang M...

Wie alles begann

Darf ich vorstellen, die Hauptperson zu diesem Blog heißt Chili, ist ein Mix aus Quarterhorse und Haflinger, Herdenchef von 6 Pferden und lebt sein Leben im Offenstall bzw. 24 Stunden Weideverbund. Er ist 14 Jahre alt und es war tatsächlich Liebe auf den ersten Ritt.  Nach über 20 Jahren Pferdeabstinenz beschloß ich mich wieder den Pferden zuzuwenden. Meine Liebe zu ihnen ist da, solange ich mich zurückerinnern kann. Über Reitstunden im Schulbetrieb, einigen Reitbeteiligungen an Privatpferden bis zum eigenen Pferd habe ich in den Jahren zwischen 25 und 40 alle Stadien der Pferdeliebe durchlebt. Und dann war für knapp 20 Jahre kein Pferd in Sicht. Andere Dinge standen an. Dann kam mit 56 mein ersehnter Vorruhestand und nach einiger Zeit kamen mir die Pferde wieder in den Sinn. Nach einem Wochenende auf einem wunderbaren Gut am Chiemsee und dem Geruch von Pferden, stand der Entschluß fest. Ich will wieder mit den Pferden zusammen sein. Sie gehören einfach zu meinem Leben und haben mi...