Wenn eines klar war, dann das, Chili liebte das Fressen. Er bekam vom saftigen Weidegras, was ja Tag und Nacht zur Verfügung stand schnell einen kugelrunden Bauch und war dann auch recht behäbig unterwegs.
Kein Wunder, wenn ich mir den Bauch so vollgeschlagen hätte, wie er, hätte ich auch keine große Lust auf größere Ausritte. Daher wurde er öfter tagsüber stundenweise in den Offenstall geholt, um mal eine Fresspause zu machen.
Nichts desto trotz wollte ich ja das Herz meiner neuen Liebe auch gewinnen und kaufte Mineralstoffleckerlis. Die waren gesund, es gab nur ein paar Stück als Belohnung und sie rundeten seine Ernährung in vernünftiger Form ab.
Ab und zu mal ein paar Möhrchen, aber alles in ganz kleinen Portionen, weil er eben schnell zunahm im Sommer.
Nach einigen Malen kam er dann tatsächlich zu mir, wenn ich ihn auf der Weide abholte. Das freute mich natürlich sehr. Doch mit Liebe hatte das nix zu tun, und er zeigte mir immer noch ziemlich deutlich, das er mich duldete, aber nicht unbedingt für mich durchs Feuer ging.
Aber was konnte ich auch erwarten, er war von Fohlen an nur von seiner Besitzerin geritten und betreut worden und dann kam ich, als er 12 Jahre alt war und hoffte darauf, das er mich sofort in sein Herz schloß. Manche Pferde sind ja vom Wesen her allen Menschen, die freundlich zu ihnen sind, sehr aufgeschlossen, doch genau wie bei allen Lebewesen gibt es eben große Unterschiede im Charakter.
Er vertraute mir nicht, was kein Wunder war. Ließ ich ihn doch mit fast allen Entscheidungen allein beim Reiten. Wenn wir unterwegs etwas trafen, z.B. Kühe auf der Wiese, war er sehr zögerlich und wollte nicht vorbei gehen.
Er zeigte sich unsicher und ein bisschen ängstlich und ich stieg dann lieber ab und führte ihn an den Kühen vorbei. Ich selber hatte noch viel zu viel Angst, das er mir plötzlich auf dem Absatz kehrt machen würde und mit mir durchging. Es ist ja nicht so, als hätte ich keine ausreichenden Erfahrungen mit solchen Situationen bei vergangenen Pferden gehabt.
Trotzdem machten wir immer schöne Runden und es gab nichts schöneres, als im herbstlichen Wald herumzustreifen und auf den sonnigen Wegen gemeinsam vor uns hin zu träumen. Einmal schlenderten wir wieder mal in der Sonne an einem kleinen Fischteich entlang und hingen jeweils unseren Gedanken nach. Da sprang ein kleiner Frosch Chili genau vor die Füße. Diese Bewegung hat uns beide dermaßen erschreckt, das wir erstarrten.
Da wurde mir erst klar, wie wir Beide unterwegs waren. Mir wurde immer klarer, das ich mich sehr auf das Wohlwollen von Chili verließ, und das das, was ich tat mit aktivem reiten nichts mehr zu tun hatte. Ich ließ mich durch die Gegend tragen. Es tat einfach so gut, auf diesem lieben und zuverlässigen Pferd unterwegs zu sein. Mein Glück nahm kein Ende und wenn ich nach dem reiten nach Hause kam, klang mein Glück in mir den ganzen Tag nach.

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