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Der Überfluß an Möglichkeiten und die eigene Unfähigkeit kritisch auf sich selbst zu schauen beim Reiten

 

Warum kann ein Pferd nicht auch einfach mal nichts haben? 
 
Läuft das Pferd nicht vorwärts muss es am falschen Müsli liegen, es gibt da so ein tolles neues garantiert haferfrei. 
 
Ist dein Pferd maulig, probier doch mal das anatomisch geformte für 250€. Falls es sich verwirft oder gar auf einer Seite schlechter ist als auf der anderen, liegt das keinesfalls an der natürlichen Schiefe, sondern daran dass der letzte Besuch beim Ostheophat und Akupunkteur zu lange her ist. Apropos einer von den Heilpraktikern kann sicher auch die schlimme Vergangenheit deines Pferdes auspendeln.
 
Dass es dich manchmal ansteigt oder den linken Hinterhuf nicht hebt ist jedenfalls nicht Schuld deiner Erziehung, sondern ein tiefgründiges Seelenproblem, welches mit Kügelchen und Horsemanshiptrainer behandelt werden kann. Dein Sattel behindert übrigens die Rückentätigkeit deines Pferdes - kauf doch mal einen neuen. Mit Schlangenleder. Oder Baumlos. Oder komplett ohne. Reite einfach gar nicht, durch reiten Muskulatur aufbauen ist sowieso ein Märchen. Das geht einzig und allein durch wochenlanges longieren, am besten unausgebunden, das Hoppemax soll nicht festgeschnürt werden, Sünde!! 
 
Obwohl ich mir das nicht vorstellen kann, aber falls du trotz all der Maßnahmen nach einem Jahr reiterlich keine Fortschritte gemacht hast, investier dein Geld auf gar keinen Fall in Reitunterricht- erinnere dich ans Pendel. Die Lieblingsfarbe deines Pferdes ist neonpink, vielleicht hilft eine neue Schabracke? Falls nicht: Achtung bei der Reitlehrerwahl.
 
Er sollte auf jeden Fall ausschließlich deine guten Seiten loben, Kritik höchstens an der Setauswahl. Zudem sollte nach drei mal Unterricht schon eine deutliche Steigerung so von E auf M Niveau zu merken sein. Und drittens sollte er auch nicht mehr als zehn Euro nehmen, alles andere ist Abzocke.
 
In diesem Sinne: Es ist toll, dass es so viele Möglichkeiten gibt, aber manchmal hilft auch einfach Reiten, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen. 
 
Text von Steffen Wurth
 


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