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Abwechslung zwischen Routine und Abenteuer stärken die Bindung zwischen Pferd und Reiter

 Endlich beginnt die Zeit wieder, in der Chili und ich mit dem ausgedehnten Ausreiten beginnen können für dieses Jahr.

Nach dem der Wald nicht mehr matschig und rutschig oder glatt ist, können wir wieder in allen Gangarten unsere Ausritte machen. Das hab ich echt vermisst. Chili hat zwar noch sein dickes Winterfell und ich achte darauf, das er nicht pitschnass geschwitzt wieder vom Ausritt zurückkommt, doch seine Kondition ist so gut, das er auch einen flotten Galopp bergauf ohne große Schweißausbrüche übersteht. 

Wenn ich die anderen Pferde im Stall so beobachte, sind die an Hals und unter dem Sattel patschnass, wenn sie vom Ausritt zurück kommen. Chili eher nicht, es sei denn, man reitet nur Vollgas und das liegt uns Beiden ja nicht so am Herzen. Wir geniessen eher das beschauliche Durchstreifen der Landschaft.

Auch auf bekannten Touren ändere ich immer mal was, damit keine langweilige Routine in unser gemeinsames Leben kommt. Gestern bin ich nach einem schönen Galopp, den wir Beide sehr genossen haben, auf einer schönen sonnigen Wiese im Wald abgestiegen und hab ihn mal 10 Minuten das frische Gras geniessen lassen. Das war neu für uns, sonst überqueren wir die Wiese einfach und setzen den Weg durch den Wald fort. 

Chili konnte sein Glück kaum fassen, denn er darf nur fressen, wenn ich abgestiegen bin, sonst stehe ich bei jedem leckeren Grashalm irgendwann nur noch, weil er versucht, zu fressen. Also bin ich abgestiegen, habe auf die Wiese unter ihm gezeigt, was für ihn die Erlaubnis zum fressen bedeutet.

Bei längeren Ausritten, die über 2 Stunden gehen, mache ich immer mal eine kleine Fresspause, weil er sich etwas ausruhen kann und ja, ich mich natürlich auch. Auch das klettern über dicke Äste oder kleine Bäche gehören im Gelände dazu. Denn man weiß ja nie, welches Gelände man bei großen Ausritten betritt und der Wald ändert sich ja dauernd.  

Ein Pferd, was sich weigert durchs Wasser oder über Baumstämme in Ruhe zu gehen, ist zum Wanderreiten einfach nicht geeignet. Deshalb fördern wir die Abwechslung sehr. 

Gestern sind wir zum Beispiel an einem Hochsitz vorbei gekommen, von dem große Stofflappen herunterhingen, die im Wind schön geflattert haben. Das reicht bei manchen Pferden aus, um auf dem Absatz kehrt zu machen, oder keinen Schritt weiter gehen zu wollen.

Chili schaut noch nicht mal richtig hin, es regt ihn nicht auf. Für ihn sind Tiere auf der Weide eher ein Grund, mal zu schauen, und so zu tun, als wären das pferdefressende Schafe oder Kühe.  Das ist dann immer unser Übungsteil, den wir zusammen meistern.



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