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Erfahrungen mit Spaziergängern, Radfahrern und anderen Waldspaziergängern aus Pferdesicht

 Vor dem Frühjahr diesen Jahres hatten das Pferd und ich vormittags den Wald so gut wie allein für uns.  Ganz selten mal trafen wir auf einen oder auch mal zwei Spaziergänger, evtl. mit Hund.  Oder mal auf einen einzelnen Radfahrer.

Das hat sich 2020 seit dem ersten Lockdown in der Geschichte sehr geändert. Um Ostern herum war der Wald plötzlich voll mit Eltern und Kindern. In den abgelegensten Ecken, auf unseren Schleichwegen, die sonst nur das Pferd und ich betreten, saßen plötzlich Menschen auf ausgebreiteten Picknickdecken und vertrieben sich die Zeit im Freien.

An dem Bach, den wir bei jedem Ausritt durchreiten müssen, um in den Wald zu kommen, war jedes Mal die Hölle los. Immer war eine Horde Kinder und Erwachsene am Bach und saßen am Ufer , oder auch gern mal im Bach, je nach Außentemperatur und Sonnenstand.

Wenn wir dann da vorbei kamen, wurden wir immer angeschaut, wie Außerirdische. Ein Pferd und eine Reiterin , das war aber mal spannend. 

Was wir für Szenen erlebt haben, Leute die vom Weg hinter Bäume geflüchtet sind, wenn wir kamen, war der Renner dieses Jahr. Dabei sind wir ganz gemütlich im Schritt angekommen, ohne Getöse oder Gehampel und trotzdem haben offensichtlich viele Menschen wirklich Angst in Reichweite eines Pferdes zu laufen.  

Oder Radfahrer, die ohne Vorwarnung plötzlich an uns vorbei schossen. Da waren wir es dann, die sich zu Tode erschrocken haben. Unser Ausreitgebiet ist auch ein sehr beliebtes Wandergebiet im Bergischen Land und wir kommen auch durchaus an Ausflugslokalen vorbei, die im Sommer dann alles nach draußen verlegt haben und eine entsprechende Lautstärke schallte schon durchs ganze Tal, lange bevor wir die M enschen zu Gesicht bekamen. 

Da sich die Menschen , die jetzt neu im Wald aufgetaucht sind, anders benehmen, wie die Menschen, die wir vorher mal ab und zu getroffen haben, ist das Pferd eher misstrauisch geworden. Irgendwie erwartet er immer, das diese Menschen wieder irgendwas komisches machen oder rufen , plötzlich aus dem Gebüsch auftauchen mit einem Körbchen voller Pilze, oder mit ihren Hunden zwischen den Tannen hocken, frag mich nicht warum.

Pferde sind nunmal Fluchttiere und wenn sie etwas sehr irritiert, haben sie das Verlangen davor zu flüchten. Der Reiter hat dann seine liebe Not, dem Pferd soviel Zuversicht zu übermitteln, das dies nicht passiert. Ich rede mir also seit diesem Frühjahr den Mund fuselig um das Pferd zu beruhigen und ihm zu erklären, das es nicht weglaufen soll, sondern an diesen merkwürdigen Menschen einfach vorbei gehen soll.  Ich bin froh, das diese Herausforderung erst nach 2 Jahren in unser gemeinsames Leben gekommen ist. Weil unser Vertrauensverhältnis inzwischen doch einigermaßen stabil ist. Aber ich wäre dann schon dafür, das sich das nicht allzu oft wiederholt.

Schön wäre, wenn das nächste Frühjahr wieder in normaler Besetzung ablaufen würde. Hoffen darf man ja, oder?

 


 

 

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